Insolvenzweltmeister: Spanien holt 2014 Gold – Deutschland auf Rang 4

Insolvenzweltmeister: Spanien holt 2014 Gold – Deutschland auf Rang 4
· Jüngste Euler Hermes Insolvenzprognose für 2014 sieht stärksten Rückgang der Unternehmenspleiten
in Spanien (-23%), gefolgt von den USA (-10%), Großbritannien (-7%) und Deutschland
(-6%) 1
· Verlierer bei der Insolvenzweltmeisterschaft im Jahr 2014 ist Gastgeber Brasilien mit einem Anstieg
der Unternehmensinsolvenzen von 9%, gefolgt von Italien (+3%) und China (+2%)
· Weltweite Insolvenzen sind im Jahr 2014 rückläufig – jedoch immer noch 23% über dem Vorkrisenniveau.
Es bleibt trotz der insgesamt guten Aussichten turbulent.
· WM-Gastgeber Brasilien kämpft mit hoher Inflation, schwächerer Binnennachfrage sowie großer
Abhängigkeit von Exporten nach China. Wachstum der chinesischen Wirtschaft verlangsamt sich
jedoch ebenfalls, Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt erstmals seit fünf Jahren an.
Hamburg, 12. Juni 2014 – Pünktlich zur Weltmeisterschaft in Brasilien hat Euler Hermes in seiner jüngsten
Insolvenzstudie den Weltmeister 2014 ermittelt. Das Ergebnis der Studie zeigt überraschende Parallelen
zum Sport: Bei den Unternehmensinsolvenzen verzeichnet der amtierende Fußball-Weltmeister Spanien
einen Rückgang von 23% im Vergleich zu 2013 und holt damit den Titel. Auf dem Silberrang folgen
die – von Jürgen Klinsmann trainierten – USA (-10%) und Großbritannien (-7%). Deutschland erreicht bei
der Insolvenz-WM mit einem Rückgang der Insolvenzen zwar das Halbfinale, geht aber letztlich mit dem
„undankbaren“ 4. Rang bei den Medaillen leer aus. Fußball-WM Gastgeber Brasilien hingegen geht bei
der Insolvenzstudie als großer Verlierer vom Platz: Die Euler Hermes Ökonomen prognostizieren einen
Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 9%. Auch für die „Squadra Azzura“ Italiens (+3%) und in der
Wirtschaftsgroßmacht China (+2%) steigen die Unternehmenspleiten im Jahr 2014 an.
Weltweite Insolvenzen rückläufig – aber noch 23% über dem Vorkrisenniveau
„Die Aussichten im Jahr 2014 sind insgesamt relativ gut. Weltweit sind die Insolvenzen rückläufig, jedoch
weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau“, sagte Wilfried Verstraete, Vorstandsvorsitzender der Euler
Hermes Gruppe. „Zwar verbessern sich die operativen Gewinne von Unternehmen langsam, es ist jedoch
kaum Umsatzwachstum zu erkennen. Es bleibt also turbulent und der Wettbewerb stark. Zudem ist das
Ausfallrisiko in einer schnell wachsenden globalen Wirtschaft auch bei rückläufigen Insolvenzen weiterhin
hoch.“
Weltweit gehen die Insolvenzen nach Einschätzungen von Euler Hermes im Jahr 2014 um rund 8% zurück.
Dennoch liegen sie noch 23% über dem Vorkrisenniveau der Jahre 2003 bis 2007. In insgesamt 18
Ländern erwarten die Ökonomen des Kreditversicherers 2014 einen Anstieg von Insolvenzen und auch
zahlreiche Branchen verzeichnen aufgrund des hohen Preisdrucks und zum Teil schleppender Nachfrage
weiterhin ein hohes Ausfallrisiko.
Deutschland: Guter Halbfinalist mit Rückgang der Insolvenzen um 6% im Jahr 2014
Deutschland verzeichnete 2013 bei geringem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) einen Rückgang
der Insolvenzen um 8%. Für 2014 erwarten die Euler Hermes Experten bei einem Wachstum des BIPs um
1,7% einen weiteren Rückgang der Unternehmensausfälle um -6% sowie im Jahr 2015 um weitere -3%.
Vor allem der Energiesektor bleibt schwierig. Im vergangenen Jahr traten 13% mehr Unternehmen in der
Branche den Gang zum Amtsgericht an – im Vergleich zu 2008 ist dies ein Anstieg um 197%. Insgesamt
betrugen die durchschnittlichen offenen Forderungen pro insolventem Unternehmen im vergangenen Jahr
€ 1,1 Mio.
Exportweltmeister: Offensive ist die beste Defensive – starker Euro belastet deutsche Exporteure
„In Deutschland bleiben vor allem die Energie- und Metallbranche sehr risikoreich“, sagte Thomas Krings,
Risikovorstand bei Euler Hermes. „Auch das Baugewerbe, die Hotel- und die Transportbranche, der Handel
sowie das produzierende Gewerbe verzeichnen hierzulande weiterhin absolut eine hohe Anzahl an
Unternehmensinsolvenzen – auch wenn diese sowohl im vergangenen Jahr als auch in 2014 insgesamt
rückläufig sind. Zudem belasten die rückläufigen Exportpreise die deutschen Exportaktivitäten, ebenso
wie die geringe Inflation, der starke Euro und die zunehmende Konkurrenz durch amerikanische und vor
allem auch japanische Unternehmen. Die Devise von Exportweltmeister Deutschland heißt dennoch weiterhin
‚Offensive ist die beste Defensive‘.“
China: Anstieg der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2014 – erstmals seit 5 Jahren
China bleibt hingegen bei der Insolvenz-WM im Mittelfeld stecken und zählt damit zu den Verlierern: Nach
Einschätzungen von Euler Hermes steigen die Insolvenzen in der Volksrepublik im Jahr 2014 um 2% an.
Das bedeutet nach 5 Jahren in Folge erstmals wieder einen Anstieg der Pleiten im Reich der Mitte. Im
vergangenen Jahr verzeichnete China noch einen Rückgang von -3,6%. Hauptgründe für den prognostizierten
Anstieg sind das verlangsamte Wirtschaftswachstum, eine zurückhaltende Vergabe von Krediten
sowie Überkapazitäten in der Produktion.
Gastgeber Brasilien scheitert in Vorrunde: 9% mehr Insolvenzen in 2014, weiterer Anstieg in 2015
Gastgeber Brasilien hingegen verpasst trotz des Heimvorteils und voller Stadien den Einzug in die nächste
Runde. In 2013 meldeten mehr als 160 Großunternehmen, sogenannte „Grande Empresas“ in Brasilien
Insolvenz an, zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen nicht eingerechnet. Für 2014 erwarten
die Euler Hermes Ökonomen wie bereits in den Jahren 2012 und 2013 einen weiteren Anstieg bei den
Unternehmensinsolvenzen um +9% sowie um weitere +3% in 2015.
Brasiliens Gegner: hohe Inflation und Zinssätze, steigende Preise, schwächelnde Binnennachfrage
Die Wirtschaft bekommt von den vier aufeinanderfolgenden Großveranstaltungen von Confederations-
Cup über Weltmeisterschaft, Präsidentschaftswahl bis zu den Olympischen Spielen bisher wenig zu spüren.
Das Wachstum ist mit prognostizierten 2% im Jahr 2014 und 2,5% in 2015 verhältnismäßig niedrig,
die Inflation hingegen weiterhin hoch. Konsumentenpreise steigen 2014 um voraussichtlich weitere 6%
an. Die daraus resultierende schwächere Binnennachfrage macht den Unternehmen ebenso zu schaffen
wie fehlende Investitionen und eine strengere Geldpolitik: Die Zentralbank hat den Leitzinssatz in den
vergangenen zwölf Monaten massiv angehoben auf 11% im April 2014. Dies führt zu einem enormen
Zinssatz von durchschnittlich 30% für Privatkredite.
Trotz WM: Sinkende Autoverkäufe, Stagnation in der Stahlbranche, fehlende Investitionen
Der Autoabsatz ging beispielsweise im April um knapp 10% im Vergleich zum Vorjahr zurück. Das produzierende
Gewerbe schwächelt ebenfalls: Seit rund 18 Monaten verzeichnet die brasilianische Stahlbranche
keinerlei Wachstum. Ein weiteres großes Problem Brasiliens sind fehlende Investitionen. Die Investitionsrate
beträgt nur etwa 20% des Bruttoinlandprodukts (BIP) – das ist der niedrigste Wert der BRICStaaten
(Brasilien, Russland, Indien, China).
Land der Dribbelkünstler anfällig für Risiken – große Abhängigkeit von Exporten nach China
Mit diesen insgesamt schwachen Voraussetzungen bleibt das Land der Dribbelkünstler anfällig für negative
externe Einflüsse. Die Volatilität der Währungskurse stellt im Jahr 2014 ebenso ein großes Risiko dar
wie die Entwicklung der Rohstoffpreise sowie die starke Abhängigkeit von der chinesischen Wirtschaft.
China ist inzwischen Brasiliens größter Handelspartner – ein langsameres Wachstum der chinesischen
Wirtschaft hat damit starke Auswirkungen auf die brasilianischen Exporte. Die Abschwächung der Wirtschaft
in Brasiliens Nachbarstaaten wie beispielsweise Argentinien, stellt ebenfalls ein Risiko für den WMGastgeber
dar.
1 Die gesamte Insolvenz-Studie finden Sie im Anhang sowie hier:
http://www.eulerhermes.com/economic-research/
http://www.eulerhermes.de/economic-research
Weiterführende Informationen:
Studie zu weiteren Risiken für die globale Wirtschaft (Auszüge, deutsch):
http://www.eulerhermes.de/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/euler-hermes-economic-outlookno-
1205-1206.pdf
Die vollständige Studie zu Risiken für die globale Wirtschaft in englischer Sprache finden Sie hier:
http://www.eulerhermes.com/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/EH-Economic-Outlook-Macro-
Hot-bright-and-soft-spots-March-April14.pdf
Detailanalysen zur wirtschaftlichen Entwicklung Brasiliens finden Sie hier:
http://www.eulerhermes.com/mediacenter/news/Pages/press-release-Euler-Hermes-report-World-Cuphighlights-
weakness-Brazilian-economy.aspx
http://www.eulerhermes.com/economic-research/country-reports/Pages/Brazil.aspx
http://www.eulerhermes.com/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/Country-Report-Brazil.pdf
Lebensmittelbranche in Brasilien:
http://www.eulerhermes.com/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/Industry_Report-Brazil_Food-
Jan14.pdf
Aluminiumbranche Brasilien:
http://www.eulerhermes.com/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/Industry_Report-
Brazil_Aluminium-Jan14.pdf

 

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