Euler Hermes: Weltweite Risiken steigen – Ölpreis, Russland und neue potenzielle Konfliktherde

Euler Hermes: Weltweite Risiken steigen – Ölpreis, Russland und neue potenzielle Konfliktherde
· Russland: Insolvenzprognose auf +30% für 2015 angehoben; starke Rezession von -5,5% erwartet,
weitere Eskalation der Sanktionen könnte jedoch zu einem wirtschaftlichen Kollaps führen (-
15%), Staatsbankrott unwahrscheinlich
· Ölpreisverfall reißt Löcher in Staatskassen diverser Erdölexporteure, Spannungen steigen
· Weitere potenzielle Konfliktherde u.a. im Südchinesischen Meer, bevorstehende Wahlen in Sri
Lanka, Birma, Argentinien, Thailand und der Türkei bergen Risiken
· Europa: Griechenland-Politik, Wahlen in Spanien, Portugal und Großbritannien könnten neue
Wendungen bringen
Hamburg, 17. Februar 2015 – „Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage…“ – ein solch märchenhaftes
„Happy End“ sieht der weltweit führende Kreditversicherer Euler Hermes angesichts der steigenden
globalen Risiken derzeit nicht für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Grund für diese Einschätzung
in der jüngsten Euler Hermes Studie „Not such a Grimm tale but no fabled happy ending” sind vor
allem die zahlreichen bereits existierenden geopolitischen Konflikte sowie weitere potenzielle Krisenherde,
die bei einer Eskalation die Weltwirtschaft eintrüben könnten. Eine aussichtslose Geschichte ist es nach
Ansicht der Ökonomen allerdings auch nicht mit einem prognostizierten globalen Wachstum von immerhin
+2,8% in 2015 und 3,1% in 2016. Für Deutschland geht die Studie von einem moderaten Wachstum des
Bruttoinlandprodukts (BIP) von +1,3% aus, gestützt von sowohl einem Anstieg der Binnennachfrage um
+1,3% als auch steigenden Exporten und einem daraus resultierenden Handelsüberschuss.
Steigende Risiken durch territoriale Streitigkeiten – neue potenzielle Krisenherde kommen hinzu
„Wir sehen insgesamt steigende globale Risiken, sowohl wirtschaftliche als auch vor allem geopolitische“,
sagte Thomas Krings, Risikovorstand von Euler Hermes. „Chinas Wirtschaft verzeichnet mit +7,3% das
geringste Wachstum seit 25 Jahren und auch die Wirtschaft in der Eurozone erholt sich nur langsam. Hinzu
kommen territoriale Streitigkeiten wie der Russland-Konflikt oder im Mittleren Osten, die in der letzten
Dekade nahezu unvorstellbar waren. Vor allem aber gibt es zahlreiche potenzielle neue Krisenherde, die
bei einer Eskalation die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft negativ beeinflussen könnten, zum Beispiel
im Südchinesischen Meer zwischen Japan und China. Venezuela, Russland und der Iran leiden zudem
unter dem starken Ölpreisverfall, der Löcher in ihre Staatskassen reißt und zu politischen Spannungen
führt. Bevorstehende Wahlen in zahlreichen inner- und außereuropäischen Ländern könnten ebenfalls
neue Wendungen bringen. Unternehmen haben dadurch ein erhöhtes Bedürfnis nach Absicherung
ihrer Risiken.“
Gar nicht märchenhaft: Ölpreisverfall führt vermehrt zu Spannungen bei ölfördernden Nationen
Der massive Verfall des Ölpreises in Kombination mit einer schwachen Nachfrage wirkt sich auf zahlreiche
Länder unterschiedlich aus:
„Es gibt vier Gruppen: Zum einen gibt es die Profiteure wie die USA, Europa außer Norwegen, China und
Japan“, sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. „Zu den Verlierern mit finanziellem
Polster gehören Saudi-Arabien und Katar. Für Mexiko und Brasilien wird es bereits sehr unbequem und
die vierte Gruppe sind die Staaten, die sich einen so niedrigen Ölpreis nicht leisten können. Zu diesen
gehören sowohl Russland als auch Venezuela und der Iran. Für einen kostendeckenden Verkauf würde
der Iran beispielsweise 135 US-Dollar pro Barrel Rohöl benötigen, in Venezuela wären es etwa 120 USDollar.
Wir rechnen für das Gesamtjahr 2015 jedoch mit einem durchschnittlichen Preis von rund 60 USDollar.
Dafür hat von dieser Gruppe nur Russland ausreichend Währungsreserven.“
Russland: Grimms Märchen „Der Fuchs und die Katze“
Es war einmal… eine wachsende russische Wirtschaft. Der dort anhaltende Konflikt führt zu einer starken
Rezession von -5,5%. Auch für 2016 rechnet der Kreditversicherer mit einem weiteren Minus von -4,0%.
Euler Hermes hat zudem die Insolvenzprognose für Russland auf +30% korrigiert (auf rund 12.000 Fälle in
2015) – das ist der höchste erwartete Anstieg weltweit. Im November 2014, vor dem verschärften Rubelund
Ölpreisverfall, waren die Ökonomen noch von einem Zuwachs bei den Insolvenzen von +10% ausgegangen.
„Der Dreijahresplan der Russischen Zentralbank lässt den Rückschluss zu, dass Russland selbst damit
rechnet, dass die Sanktionen bis mindestens Ende 2017 Bestand haben“, sagte Subran. „Die russischen
Währungsreserven sind derzeit noch komfortabel und wesentlich höher als 1998. Ein Staatsbankrott ist
für 2015 also nicht in Sicht. Im schlimmsten Fall, bei einer weiteren erheblichen Eskalation der Sanktionen,
beispielsweise durch die Ausweitung auf Swift-Zahlungen oder noch wesentlich weitreichenderen
Kapitalkontrollen, käme es zu einem wirtschaftlichen Kollaps in Russland mit bis zu -15% beim Bruttoinlandsprodukt.
Ein Staatsbankrott wäre dann theoretisch im Laufe von 2016 möglich – die Wahrscheinlichkeit
ist jedoch sehr gering.“
Die vollständige Studie (in englischer Sprache) finden Sie hier:
http://www.eulerhermes.com/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/Economic-Outlook-overview-
2015-1214-jan15.pdf
Die Länderstudie Russland (Februar 2015, Englisch) finden Sie im Anhang sowie hier:
http://www.eulerhermes.com/economic-research/country-reports/Pages/Russia.aspx
Die Einschätzung von Euler Hermes zur weiteren Entwicklungen in Griechenland finden Sie hier
(Englisch):
http://www.eulerhermes.com/mediacenter/Lists/mediacenter-documents/Economic-Insight-Greekelections-
outcome-what-next-Jan15.pdf

 
 

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