Rheinische Post: Thyssens Abstiegskampf

In den 1950er Jahren war Krupp noch das wertvollste deutsche Unternehmen. Heute ist für den inzwischen mit Thyssen fusionierten Konzern nicht einmal der Verbleib im Dax sicher. Mit den 3800 Jobs, die er jetzt aufgeben muss, erreicht die LandstreicherWucht des Niedergangs auch die Belegschaft. Die Tragik von ThyssenKrupp hat zwei Ursachen. Zunächst das Missmanagement des inzwischen ausgewechselten Vorstandes, der den Konzern mit Fehlinvestitionen und einem teilweise selbstherrlichen Auftreten finanziell und sozial ramponiert hat. Hinzu kommt die strukturelle Defensive der deutschen Schwerindustrie. Inzwischen arbeitet dort nur noch ein Viertel der Arbeitnehmer. Vor 50 Jahren war ihr Anteil noch doppelt so groß – eine Folge der weltweiten Arbeitsteilung, der Deutschland aber auch seine Export-Erfolge verdankt. Ob ThyssenKrupp-Chef Hiesinger den Niedergang stoppen kann, ist ungewiss. Aber ein Trost bleibt den Mitarbeitern: Seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hat Hiesinger keine Fehler gemacht. Einen besseren Chef kann ThyssenKrupp derzeit nicht haben.

 
 

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